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Illusion Fortschritt ... | Illusion Fortschritt ... |
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| Geschrieben von Fritz S. | |
| Mittwoch, 13. Juni 2007 | |
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Wenn man entscheiden will, ob etwas eine Illusion sein könnte oder nicht, muss man logischerweise seine Perspektive verändern. Solange man in der Sicht des naiven Realisten verharrt, kann man nicht erkennen, dass es die Erde ist, die sich um die Sonne dreht. Es sind die Modelle der Kosmologie, die uns eines Besseren belehren. Entsprechendes gilt für die menschliche Psychologie. ...
Als naiver Realist kann man nicht erkennen, dass die Erscheinungen der Welt farblos sind. Erst die Neurobiologie erklärt, wie im Gehirn Farben entstehen und alle anderen Bedeutungen, die das ausmachen, was man das phänomenale Bewusstsein nennt. Und unser bestes Wissen von der biologischen Evolution lehrt, dass es keinen Fortschritt, sondern nur eine mehr oder weniger stetige Ausdiferenzierung der Merkmale und biologischen Arten gibt, auch wenn man als naiver Realist vehement geneigt ist, dies anders zu sehen. Diese Vorbehalte erinnern an das, was der Evolutionsforscher und Biophilosoph Ernst Mayr (1904 – 2005) wiederholt als eines der größten intellektuellen Hindernisse auf dem Weg zur Akzeptanz darwinischen Denkens bezeichnet hat, nämliche die »finale Weltanschauung«. Damit ist gemeint, dass Menschen spontan geneigt sind, Entwicklungen gerichtet, also auf ein Ziel hin zu interpretieren. Nicht zuletzt gewinnen Religionen sehr viel Attraktivität aus finalen Weltanschauungen, und auch Lamarcks Evolutionstheorie bedient diese Idee, wenn sie die Evolution mit einer den Organismen innewohnenden Tendenz zur Höherentwicklung in Beziehung bringt. Der Irrtum vom Fortschritt hat eine lange Geschichte. Und diese wirkt bis in die Gegenwart. Was folgt daraus? Sicherlich nicht die Empfehlung, sich einer fatalistischen Trägheit hinzugeben und Veränderungen im persönlichen Leben oder in Kultur und Gesellschaft keinen Wert beizumessen. Nur sollte man diese Veränderungen im persönlichen Leben wie in der Geschichte als das begreifen, was sie wirklich sind, nämlich bloße Veränderungen, die als Ergebnis eine mehr oder weniger komplexe Ausdiferenzierung der individuellen Lebensvollzüge und in der Gesamtschau eine Kulturgeschichte hervorbringen. Es ist letztlich eine Frage der intellektuellen Redlichkeit, so lange nicht von Fortschritt zu sprechen, wie nicht angegeben werden kann, woran er zu messen sein könnte. Und es ist nun mal so: Das Leben auf diesem Planeten kennt kein Ziel und somit keinen Fortschritt – nur ein Bewusstsein, das aus den dargelegten Gründen die Fortschrittsidee plegt.
Eckart Voland ist Professor für |
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| Letzte Aktualisierung ( Samstag, 04. August 2007 ) |